Fall 6 - Übereifriger Wachmann

 

Der Sicherheitsmitarbeiter A arbeitet als Wachmann in einem Einkaufzentrum in der Stadt. In dem Einkaufszentrum sind mehrere Geschäfte, die der Sicherheitsmitarbeiter A über die Kameras in dem Sicherheitsbüro überwacht. Alle 2 Stunden macht der A einen Kontrollgang durch das Einkaufzentrum und die einzelnen Geschäfte.

 

An diesem Tag beobachtet der Sicherheitsmitarbeiter A, wie ein bereits durch mehrere Diebstähle aufgefallener Mann B durch das Einkaufzentrum schlendert. Der Mann B verhält sich sehr verdächtig, hält an einigen Geschäften an, nimmt Ware aus den Regalen und legt sie dann wieder zurück. Der Mann B sieht sich mehrere male um und wirkt sehr nervös. Daraufhin beschließt der Sicherheitsmitarbeiter A den Mann B zur Rede zu stellen.

 

Er geht aus dem Büro in die Einkaufshalle, sucht nach dem B und als er ihn schließlich gefunden hat fordert er ihn auf mit in sein Büro zu kommen. Der Mann B weigert sich. Der Sicherheitsmitarbeiter A stößt den Mann B daraufhin gewaltsam zu Boden, schmeißt sich auf ihn und durchsucht ihn gegen seinen Willen.

 

Als kurze zeit später die Polizei eintrifft, die von den Passanten im Einkaufszentrum alarmiert wurde, stellt sich heraus, dass der Mann B keine Ware aus den Geschäften gestohlen hat.

 

 

Aufgaben:

  1. Hat der Mann B sich strafbar gemacht?

2. Hat der Sicherheitsmitarbeiter A sich strafbar gemacht?

 

3. Was hätte der Sicherheitsmitarbeiter A besser machen können?

 

 

 

Lösungen:

 

Zu 1:

 

In dem hier geschilderten Sachverhalt hat der Mann B sich nicht Strafbar gemacht.

 

 

Zu 2:

 

Der Sicherheitsmitarbeiter A hat sich gemäß § 223 StGB der Körperverletzung Strafbar gemacht. Er stößt den Mann B gewaltsam zu Boden und durchsucht ihn gegen seinen Willen. Diese Handlung beeinträchtigt das Wohlbefinden des B und erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung.

 

 

Zu 3:

 

Da der Mann B schon mal aufgefallen ist, hätte der A ihm ein Hausverbot aussprechen müssen. Das hätte dem B verboten sich in dem Einkaufszentrum aufzuhalten. Damit wäre hier der Tatbestand eines §123 StGB Hausfriedensbruchs erfüllt. Außerdem hätte der A den B nicht zu Boden bringen dürfen. Er handelt hier auf Grund einer Vermutung, ohne feste Anhaltspunkte. Selbst bei einer begründeten §127 vorläufigen Festnahme ist das zu Boden bringen keine erforderliche und angemessene Handlung.

 copyright 2020 - All Rights Reserved